Freitag, 10. November 2017

#EiNaB 24: Aber es ist doch so schön! Konsumfalle Weihnachten

Vom weihnachtlichen Kaufrausch

Meine Damen, meine Herren: Er beginnt. Der weihnachtliche Kaufrausch. 
Im Zuge dessen die Straßen gefüllt sind mit eilig umher hetzenden Passanten, die Schaufenster sich in kitschigster Blingbling-Hoho-Dekoration gegenseitig überbieten und die Arme der Menschen sich biegen unter den Lasten der gesellschaftsverpflichtet erworbenen Präsente. Weihnachten! Hach! 

Die schönste Zeit des Jahres, sagt man. Zurecht. 

Jedenfalls kann ich (das liegt wahrscheinlich auch der mittelmäßig bis stark ausgeprägten Introversion geschuldet) dem Zurückziehen in die heimelig gemachten vier Wände, dem stundenlangen Keksebacken, dem Kerzenanzünden, dem Räuchermännchenduft, dem Bis-in-die-Nacht-Schmökern und dem nie enden wollenden Kuscheln (alles zusammen nennt man übrigens neumodisch Hygge) sehr viel abgewinnen. 

Alternative Geschenksideen für eine besinnliche Weihnachtszeit


Ich liebe die dunkle Jahreszeit! 

Wenn es draußen ungemütlich wird, richten sich die Sinne nach innen - was insofern gut ist, als dass man sich wieder beginnt, auf das zu besinnen, was man bereits hat und sich dessen (im besten Falle) neu erfreut. 

Man staubt endlich mal wieder das Bücherregal ab und schnappt sich der Reihe nach die ungelesenen Schmöker (endlich bekommen sie die Chance, die sie verdienen!). Man verliert sich darin, Blätter, Äste und Zeige zu sammeln, um das Heim besonders schön und liebevoll zu dekorieren. Man durchstöbert die Backbücher nach den schönsten Weihnachtskeks-Rezepten und sinniert, welches Gänge-Menü eigentlich die Lieben am großen Abend besonders glücklich machen könnte. 

Und: welche Geschenke. 
Upps. Geschenke. 
Geschenke!

Das Wort hallt unangenehm nach. 

Vom Sinn und Unsinn des Schenkens


Schon Wochen (ach was: Monate!) vor dem eigentlichen Fest der Feste sind die Fernsehkanäle voll mit Werbung bezüglich der Dinge, die deinen Mann, deine Frau, dein Kind, deine Arbeitskollegin, deinen Kumpel, deine Oma, deinen Opa, deine Tante, deinen Onkel und den ganzen Rest der mehr oder weniger blutsbandeligen Verwandtschaft glücklich zu machen versprechen. 

Wir können uns nicht retten vor Anzeigen für Deos, Pralinenschachteln, Barbiepuppen, Plastikautobahnen, Klamotten, Schmuck und allerlei Luxus-und-Nippes-Tamtam, das eigentlich und bei Lichte betrachtet nur dazu dient, der über das Jahr hinweg dümpelnden und auf genau diese paar Wochen im Jahr hin fiebernden Einzelhandels-Wirtschaft noch mal einen feurigen Aufschwung zu verpassen. 

Versteht mich nicht falsch: Ich arbeite seit neuestem selbst im Einzelhandel und habe auch absolut kein Problem damit, anderen Menschen schöne Dinge zu schenken. Ich liebe schöne Dinge. Aber eben ausgesuchte. Mit Liebe kuratierte Dinge. Nützliche Dinge. 

Das ist das Stichwort: Die Dinge müssen nützlich sein. 

Und genau das sind die meisten beworbenen Dinge für die meisten Personen, denen sie geschenkt werden, eben nicht. 

Natürlich ist für sich genommen ein Parfüm nützlich - wenn ich gerade keines habe, freue ich mich, wenn mir jemand eines schenkt. Nur haben die meisten Menschen mehr als genug Parfumflaschen zuhause herumstehen - angebrochen und nicht aufgebraucht. Weil nicht nur du, sondern auch drei weitere Familienmitglieder oder Freund*innen auf diese kreative Geschenk-Idee (bevor man gar nicht schenkt!) zu welchem Anlass auch immer gekommen sind. 

Dann beginnt die Angelegenheit, unnütz zu werden. Beziehungsweise: das Ding. 

Und im Endeffekt (um die Sache abzukürzen) hast du Geld zum Fenster rausgeworfen. Weil der oder die Beschenkte sich vielleicht ein wenig über die Aufmerksamkeit freut, die Ressource, die im Geschenk selbst steckt (natürliche Ressourcen, Arbeitskraft für die Herstellung, Produktion, Versand, Lagerung, deine Suche, Anschaffung, Geldinvestition and so on) aber gar nicht wertschätzend nutzt. Weil das drölftausendste Ding von einer Sorte eigentlich nur in der Ecke stehen kann (oder andere Dinge von derselben Sorte dorthin verdrängt). Ob das jetzt eine Parfümflasche oder eine Krawatte oder ein hippes Tech-Ding ist. 

Also hast du nicht nur Geld verschwendet (was ja an und für sich genommen schon schmerzhaft genug ist), sondern auch Ressourcen, die man theoretisch anders und sinnvoller hätte verbrauchen können. 

Es ist demnach nicht nur in deinem Sinne, sinnvoll zu schenken - sondern auch im Sinne der Umwelt. Und also: dem Rest der Menschheit. (Wenn wir einmal pathetisch werden wollen.) 

 

Tafel mit Weihnachtskeksen

Ich schenke, also bin ich? 


Das Unschöne an der ganzen Konsum-vor-Weihnachten-Geschichte ist, dass man in den meisten Kreisen mehr oder weniger automatisch am Wert seines Geschenks gemessen wird. Und damit meine ich nicht den persönlichen, sondern den materiellen Wert. 

Jedenfalls will uns besagte Werbung das suggerieren. 

Auf der anderen Seite haben wir ja schon gesehen, dass unreflektierte, weil massenkompartibel (und in einigermaßener Verzweiflung erworbene) Geschenke so ziemlich das Letzte sein dürften, das beim Beschenkten freudig-glänzende Augen und in Zukunft liebevolle Erinnerungen an dich und den speziellen Weihnachtsabend hervorrufen wird. 

Was also tun? 

Jede*r von uns möchte beim Beschenktwerden als Individuum behandelt werden. Als jemand, der anderen Menschen wichtig ist. Und das drückt sich nicht in sündhaft teuren, aber sinnfreien Uhren, Ketten und sonst was aus. Sondern in sorgfältig überlegten Präsenten. Die auch gerne mal etwas kleiner, aber dafür punktgenau auf die Bedürfnisse der Person abgestimmt ausgesucht sein dürfen. 

Denn das ist doch eigentlich der wahre Wert beim Schenken: die persönliche Investition, die es erfordert, für eine Person genau das Richtige aus diesem Wirrwarr an Konsumgütern, das uns zu ertränken droht, wenn wir nicht aufpassen, heraus zu suchen. 


Die Energie, die wir hineinstecken, um eine geliebte Person genau kennenzulernen, womöglich die geheimen Wünsche zu erahnen, die Zeit, die wir aufbringen, genau das (das!) und kein anderes Ding zu finden - das ist der Wert des Schenkens. Nicht der Preis, der letzten Endes auf dem Etikett steht. 
Dingfreiheit unter'm Weihnachtsbaum?

Dingfreiheit unter'm Weihnachtsbaum? 

Collect moments, not things.
Es ist eines meiner Lieblingsmottos (oder: -motti?), das dafür sorgt, dass ich immer wieder Gutscheine verschenke - die dann am Ende nicht so fulminant viel Platz in einer Geschenkeschachtel beanspruchen, aber dafür einen ganz anderen Wert haben, der von allen geschätzt wird: Nähe. 

Ich will schon lange mal wieder Wandern gegangen sein - und ich weiß, dass es Freundin xy ganz genauso geht. Warum schenke ich ihr zu Weihnachten nicht einen Gutschein zum Heraufkraxeln zu einer wunderschönen Almhütte? Oder für einen Wochenendwandertrip in den Schwarzwald? 

Es kommt einem so furchtbar spießig vor, solche Dinge zu verschenken (die eigentlich gar keine Dinge sind - ihr wisst schon). Aber im Endeffekt haben alle etwas davon: Du, die Beschenkten und vielleicht noch ein paar andere Menschen mehr (falls ihr die in euer Eventerlebnis mit einbeziehen möchtet). 

Denn der Knackpunkt an der Sache mit den Erlebnisgeschenken (deren kommerzielle Anbieter nicht umsonst in den letzten Jahren wie Pilze aus dem Boden geschossen sind) ist der: Man erinnert sich an sie. 


Wenn ihr selbst auf euer bisheriges Leben zurückschauen solltet und das beschreiben müsstet, was euch am meisten in Erinnerung geblieben ist - dann werdet ihr mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht von den silbernen Ohrringen, die ihr von Schatzi zu Weihnachten 2000 geschenkt bekommen habt, anfangen zu schwärmen. Oder von dem neuen IPhone. Oder der unfassbar tollen schweizer Uhr. Oder irgendeinem anderen Ding. 

Ihr werdet euch an Erlebnisse erinnern. 

An eine tolle Nacht unter den Sternen vielleicht. An euer erstes Baden im Fluss. An durchwachte Nächte voller Lachen und Freundentränen in den Augen. An den Spaß, den ihr beim Reisen mit einer lieben Person hattet. An die Dinge, die damals auch verdammt schief gelaufen sind. An Ärger, Freude, Wut, Hass, Trauer - immer verbunden mit den jeweiligen Auslösern. 

Wir sind Erlebnisse, nicht Dinge. Das sollten wir niemals vergessen. Auch nicht bei der Geschenke-Auswahl. So schön materielles Schenken auch sein mag.  

Auf ein frohes Schenken! 

Bild-Credits:  (1) Photo by Andrew Neel on Unsplash  (2) Photo by Jennifer Pallian on Unsplash
(3) Photo by Annie Spratt on Unsplash

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Kommentare:

  1. Ich muss zugeben, dass ich die dunkle Jahreszeit nicht so besonders mag.Ich bin wohl eher für einen Winterschlaf geboren. Dass es um 16h schon so dunkel ist, macht mich fertig und ich bin gefühlt nur müde...
    Ein Weihnachtsfan bin ich auch nicht...der Geschenkezwang nervt mich. Ich schenke lieber dann, wenn ich etwas entdecke, bei dem ich weiß, dass es demjenigen gefällt. Das finde ich auch viel wertschätzender dem Anderen gegenüber.

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  2. Den Geschenkezwang haben wir jetzt un der Familie, da alle erwachsen sind in Wichteln umfunktioniert. Seitdem ist es ziemlich stressfrei. Mein Freund kriegt in den letzten Jahren immer einen selbstgestrickten Pullover von mit.
    Ich arbeite auch im Handel und bin heuer echt schockiert über die Menschenmassen in der Fußgängerzone. Und auch über die Massen an Konsumartikel die wir an den Mann oder die Frau bringen sollen.
    Ich glaub aber nicht, dass sich da in den nächsten Jahren was ändern wird. Die Konsumenten denken grad in der stressigen Weihnachtszeit nicht wirklich nach.

    Liebe Grüße, Daniela

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