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Mittwoch, 10. März 2021

#EiNaB 44: Wie voll ist dein Kleiderschrank?

Im Greenpeace Magazin 1.21, das sich voll und ganz dem Thema Konsum widmete, hab ich folgende Statistiken gelesen: "Mehr als 80 Milliarden Kleidungsstücke werden jährlich hergestellt. Durchschnittlich 60 kaufen die Deutschen pro Kopf und Jahr, ein Fünftel davon wird nie oder so gut wie nie getragen." (Zum Artikel) Im gleichen Artikel werden eine Menge tolle Leute vorgestellt, die sich schon seit Jahren für die Entschleunigung in der Modebranche einsetzen und kreative, modische Gegenentwürfe leben.



Weil mich das Thema seit Jahren beschäftigt, führe ich seit 2017 Statistik über meine Mode-Einkäufe. Das heißt, wenn ich mir etwas kaufe oder nähe, schreibe ich das auf einen Zettel an der Wand. Ich wollte einfach wissen, ob mein "gefühlter Konsum" mit meinem tatsächlichen Konsum übereinstimmt. Zum Glück für mich, befinde ich mich unter dem deutschen Durchschnitt - hier findet ihr meinen aktuellen Blogpost.

Weniger ist mehr

Kleidungskauf hat nicht nur etwas mit fairer oder unfairer Bezahlung der Arbeiter oder dem Pestizideinsatz beim Anbau von Rohstoffen zu tun: "Weltweit gehen beinahe 20 Prozent der Gewässerverschmutzung und 10 Prozent der CO2-Emissionen auf das Konto der Modeindustrie", berichtet das Greenpeace-Magazin weiter. Dass die Ressource Wasser in den nächsten Jahrzehnten auch bei uns immer wertvoller und knapper werden wird, kündigen bereits unsere rekordtrockenen Sommer an. 

Wie so oft läuft alles darauf hinaus, dass unser aktuelles Konsummodell, das nach dem Motto "Je mehr, desto besser" funktioniert, ersetzt werden muss. Es zerstört uns schlicht und einfach die Lebensgrundlage. Deshalb braucht es neue Geschäftsmodelle, die unsere Lust auf Abwechslung im Kleiderschrank befriedigen. Ansätze gibt es schon: Tauschmodelle, Kleider-Abo-Modelle, professionelles Upcycling, usw. Wir müssen lernen, Rohstoffe wieder wertzuschätzen, so wie es vor 100 Jahren noch ganz normal war. Die Zeit dazwischen war eine Sackgasse, die quasi den absteigenden Ast hinauf führt. Und trotzdem muss das ja nicht heißen, dass wir auf Abwechslung und Modisches verzichten müssen. Ideen sind gefragt!

Ich hab das Gefühl, dass das Thema bei vielen angekommen ist. Immer mehr junge und auch ältere Menschen sind sich bewusst, dass es so nicht weitergehen kann. Aber ich weiß nicht, ob es bereits genug Leute sind, damit das Ruder wirklich noch herumgerissen werden kann. Sind wir Menschen schnell genug? Was sagt ihr?

Wie immer freuen wir uns über eure Links zu allen Blogpost, die nachhaltige Themen im Alltag ansprechen!

Eure Marlene vom Blog Verrücktes Huhn

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Sonntag, 10. Januar 2021

#EiNaB 43: Mit dem Fahrrad zur Arbeit – besser als sein Ruf!

 


Ich liiiiiebe es, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren.

Aber das war nicht immer so. Früher gab es alle möglichen Gründe, es nicht zu tun. Die Klassiker: Zu weit, zu kalt, zu nass, zu hauptstraßig, zu schwitzig, zu zeitintensiv undundund. All diese Einwände (die du vielleicht kennst) hatte ich auch mal – und nun nicht mehr! Davon will ich dir heute erzählen. Und davon, wie auch du über deinen Schatten und die Klassiker-Einwände springen kannst.

Warum liebe ich es, mit dem Rad zur Arbeit zu fahren?

Auf den Punkt: Weil es ganz viele Vorteile hat und alles, was wie ein Nachteil aussieht, in Wirklichkeit gar nicht so wild ist.

Vorteile

Unschlagbar beim Umweltschutz

Das war mein erster Grund dafür, es doch mal mit dem Fahrrad zu probieren. Auch wenn meine Strecke 13 km lang ist. Das Radfahren heißt Null CO2 beim Fahren und ist auch sonst dem Auto (und vermutlich auch Bus und Bahn) in jeder Hinsicht ökologisch überlegen.

Sporteinheit und/oder Genussradeln

Du willst endlich mal wieder Sport treiben? Dann mach das doch einfach auf deinem Arbeitsweg! Ob morgens oder abends – Bewegung an der frischen Luft tut gut. Dabei kannst du sogar jedes Mal neu entscheiden ob du eine gemütliche Bewegungseinheit, ein krasses Power-Training oder irgendwas dazwischen hinlegen willst. Jeden Tag zwei Mal deine Entscheidung! Herrlich!

Stressabbau

Mittlerweile wissen wir es ja vermutlich alle: Bewegung hilft gegen Stress. Was du im stressigen Arbeitsalltag an Stresshormonen in deinem Körper ansammelst, muss durch Bewegung wieder weg, sonst schadet es dir. Wie praktisch ist es da, dass du dich darum gleich auf dem Heimweg kümmern kannst! Einfach indem du in die Pedale trittst. Du kommst definitiv entspannter zuhause an.

Naturerlebnis

Naturgenuss tut uns körperlich und geistig gut. Sieh dich um, lausch mal auf die Vögelein, rieche die frische Morgenluft. Praktischerweise kannst du beim Radeln auch gar nicht wirklich anderweitig digital unterhalten werden (jedenfalls nicht, wenn dir dein Leben lieb ist) – also genieß deine Umgebung und gleichzeitig ein kleines Digital Detox.

Geld sparen

Da das Fahrrad weniger kostet in Anschaffung und Betrieb als ein Auto (und auch als ein Bus- und Bahnticket), niemals kostenpflichtig irgendwo geparkt werden muss und schon gar nicht für horrendes Geld abgeschleppt oder mit Falschparkerticket belegt werden kann: Du sparst bares Geld, das du echt woanders besser investieren kannst.

Das Richtige tun

Das Gefühl, ökologisch betrachtet genau das Richtige zu tun, ist unschlagbar. Schluss mit diesem höchst unangenehmen Eindruck, sich nicht nach seinen eigenen Werten zu verhalten – auf dem Fahrrad bist du eins mit deiner Umwelt und merkst mit jeder Pedalumdrehung, dass du gerade nichts und niemandem schadest. Herzerwärmend, ich sage es dir!



Die Klassiker-Einwände

Und jetzt kurz zu den bekannten Einwänden (von denen du bestimmt schon einige gehört oder selbst mal benutzt hast – ich kenne sie jedenfalls ALLE von früher).

Einwand 1: „Dann frisst mein Arbeitsweg ja viel zu viel Zeit!“

Logo, du bist mit dem Fahrrad nicht so schnell wie mit dem Auto. Also wird der Arbeitsweg zeitlich betrachtet länger. Und das findest du vielleicht schrecklich, weil die Arbeit sowieso schon zu viel Zeit in deinem Leben beansprucht? (Kleiner Tipp am Rande: Berufliche Veränderungen sind manchmal auch eine gute Idee.)

Diesen „Das-dauert-zu-lange“-Einwand beseitigen wir mit einem Gedanken-Trick: Deine Fahrradfahrten zählst du ab jetzt gedanklich zu deiner Freizeit und nennst sie nicht mehr „Arbeitsweg“, sondern „Fahrradtour“. Und mit der tust du dir in vieler Hinsicht Gutes. Siehe oben!

Einwand 2: „Ich kann nicht verschwitzt im Büro ankommen.“

Doch, kannst du, du musst nur wie irre mit dem Rad hinrasen.

Höhö. Spaß beiseite.

Die Lösung ist: Fahr nicht so schnell, dass du schwitzt. Zumindest morgens nicht.

Und wenn du zu den vielen, vielen Leuten gehörst, die aus irgendeinem Grund von sich sagen, dass sie gar nicht langsam fahren KÖNNEN: Schreib mal ein paar Sachen auf, die du in deinem Leben schon geschafft hast. Einen Schulabschluss? Ausbildung? Studium gar? Kinder geboren? Großgezogen? Da wirst du es mit Sicherheit auch schaffen, etwas langsamer zu fahren. Zur Not nimmst du dir erstmal ein Tachometer zur Hilfe.

Einwand 3: „Ich will nicht mit zerknitterten Klamotten im Büro ankommen.“

Ich verstehe, dass du mit deinen schicken und vielleicht noch empfindlichen Büroklamotten nicht aufs Rad steigen willst.

Zwei Lösungen:

Häng dir entweder einen Vorrat geeigneter Businessklamotten ins Büro. Oder pack dir täglich dein Outfit für den Tag ein. Und ja, es gibt definitiv Anzugtaschen fürs Fahrrad. Auch die Damen und Herren aus der extraschicken Etage können mitradeln!

Einwand 4: „Meine Strecke ist nur Hauptstraße, da fährt es sich gar nicht schön.“

Klar, an der Hauptstraße zu radeln, möglichst noch sechsspurig, ist nicht sooooo schön. Daher erinner dich kurz dran, dass du neuerdings deine Fahrradfahrten am Morgen und am Abend als freizeitzugehörige Radtouren betrachtest. Und schon kannst du folgenden Trick anwenden: Such dir deine perfekte Route.

Schritt 1: Schau auf dem Stadtplan, welche Grüngebiete du in deine Strecke einbauen könntest. Und pass deine Strecke so an, dass du davon welche mitnimmst.

Schritt 2 für da, wo es nicht grün ist: Weich von der Hauptstraße aus auf die Straßen durch die angrenzenden Wohngebiete. Da ist es schön ruhig und nicht so autolastig. Und du hangelst dich quasi parallel zur Hauptachse durch.

Ja, und klar wird dein Weg dadurch etwas länger. Das wird aber vielfach durch den Genuss der perfekten Route aufgewogen (und dadurch, dass dir deine perfekte Route überhaupt erst das Radfahren zur Arbeit ermöglicht). Es ist ja dein Freizeitvergnügen!

Einwand 5: „Aber im Regen werde ich ja nass!“

Wie war noch der Spruch? Es gibt kein schlechtes Wetter, sondern nur die falsche Kleidung? Stimmt total, gerade beim Radfahren im Regen. Da brauchst du die passende Ausrüstung.

Und einen kleinen Dreh in der eigenen Betrachtungsweise kommt auch noch dazu:

Denk halt nicht: „Mist, es regnet! Wird ne ätzende Fahrt.“

Wenn du positiv gestimmt rangehst, kann das Radfahren im Regen eine erfrischende Sache sein. Denk an den kühlen Regen im Gesicht, die frische Luft bei Regenwetter. Ich habe das Regenradeln richtig liebgewonnen.

Ja, das ist möglich. Echt!

Einwand 6: „Ich hab trotzdem keinen Bock.“

Ganz ehrlich? Wenn du willst, wirst du immer einen Grund finden, nicht mit dem Rad zu fahren.

Die einzige Möglichkeit, bei der du dich nicht verarschst, ist: Ausprobieren! Und zwar mindestens vier Wochen lang, würde ich sagen, besser acht. Denn um in der totalen Genussphase anzukommen, braucht es eine Zeit: Routine bekommen, die richtige Kleidungsstrategie finden, die perfekte Route austüfteln, das beste Tempo ermitteln – und überhaupt: Sich an das Radfahren und alles, was damit zusammenhängt, gewöhnen.

Und dann – glaub es mir ruhig – kann es passieren, dass du diese Fahrten (wie ich) nicht mehr missen möchtest.

Sieh es so, dass du dir die Chance gibst, all das Gute am Radfahren mitzunehmen. Mach ein Projekt draus. Es lohnt sich!

Kleiner Tipp noch in punkto Entschlossenheit: Entscheide dich nicht erst morgens, ob du Rad fährst oder anders. Die Entscheidung sollte lieber abends schon stehen, die Tasche gepackt und die Klamotten bereitgelegt sein. Dann machst du nicht so leicht einen Rückzieher.



Zutaten

Was du brauchst

Was du unbedingt brauchst: Nur ein Fahrrad!

Und das muss keinesfalls neu, besonders fancy oder gar elektrisch betrieben sein. Es sollte einfach ein Fahrrad sein, auf dem du gut fahren kannst. Das dich nicht gleich nervt, wenn du aufsteigst. Und auf dem du auch ein paar Kilometer abradeln kannst, ohne dass dir alles weh tut.

Was du eventuell noch gebrauchen kannst

Das stellt sich eigentlich erst während deiner Testphase heraus. Es ist nicht so viel, wie man denken könnte. Meine Ausrüstung sieht so aus:

·         Helm,

·         dünne Funktions-Helmmütze für kalte und kühle Tage,

·         Softshelljacke,

·         neonfarbene, reflektierende Weste,

·         Regenhose,

·         Regengamaschen für über die Schuhe,

·         Regenjacke,

·         gute Handschuhe für kalte Tage,

·         früher hatte ich mal ein Tachometer, aber jetzt nicht mehr.

Beschaff dir deine Ausrüstung am besten Schritt für Schritt. Immer dann, wenn du merkst, dass dir was fehlt.

Und nun?

Ab aufs Radl! Du musst weder auf den nächsten Monatsersten noch auf das nächste Jahr noch auf eine bestimmte Jahreszeit warten. JETZT ist der richtige Zeitpunkt.

Sogar im Winter kannst du loslegen (nur auf Glatteisfahrten würde ich persönlich verzichten, ist aber Geschmackssache). Dann hast du sogar den Vorteil, dass es nur noch besser werden kann – du radelst in den Frühling.

Ich wünsche dir viele Atemzüge voll frischer Luft, einen freien Kopf am Abend und allzeit gut gefüllte Reifen.

 

Deine Birte

www.deinwichtig.de & www.wirwollennachhaltigleben.blog

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Dienstag, 10. November 2020

#EiNaB 42: Brot backen für Anfänger, Fortgeschrittene und Eilige

 

Servus, ihr Lieben!

 

Einige, die hier lesen, backen schon lange ihr eigenes Brot. Einige andere haben unter Umständen während des Corona-Lockdowns im Frühjahr 2020 damit begonnen - denn in dieser Phase waren in den Läden plötzlich so wesentliche Zutaten wie Germ (Hefe) und Mehl sehr rar. (Und ich glaube nicht, dass alle nur Pizza gebacken haben - schließlich war auch kein Brotgewürz mehr zu bekommen 😉.) 


Ich gehöre weder zur einen noch zur anderen Gruppe, aber ich hoffe, dass auch für die "Backprofis" und die "Covid-Brotback-Einsteiger" in meinem Beitrag etwas Interessantes zu entdecken ist. Und für alle, die noch nie Brot in ihrem eigenen Backofen hergestellt haben, ist es vielleicht eine Ermutigung, es selbst zu versuchen. Denn "Hexerei" ist das Backen von Brot keineswegs.

Aber es hat einiges mit einfach.nachhaltig.besser.leben zu tun: Brotbacken passt für mich zum einfachen Leben, bei dem noch vieles möglichst selbst hergestellt wird, anstatt es im Laden zu kaufen. Brot zu backen ist eine sehr sinnliche Tätigkeit, überhaupt wenn man möglichst auf den Einsatz von Küchenmaschinen verzichtet: Du krempelst dir die Ärmel auf und beginnst zu kneten, riechst und fühlst den Teig, stellst eine Verbindung zu ihm her. (Aber natürlich ist auch an einem Mixer mit Teighaken nichts Verkehrtes. Mein Mann schwört darauf 😊.) Brotbacken ist nachhaltig, denn du wirst dein eigenes Brot allein schon aufgrund der Arbeit wertschätzen, die du hineingesteckt hast. Deshalb wirst du keine Reste verkommen lassen, sondern aus den Brotresten Aufläufe, Knödel, Croutons etc. herstellen. Deine Wohnung wird köstlich duften, während das Brot im Ofen bäckt. Und es verursacht eine große Befriedigung, das erste richtig gut gelungene eigene Brot aus dem Backrohr zu holen - das macht das Leben besser. Du kennst außerdem die Zutaten und kannst dein Brot mal mit Gewürzen, mal mit Körnern, Nüssen, getrockneten Oliven oder Tomaten verfeinern, mal ganz hell und pur lassen. Viel freier, schöner, besser geht's doch kaum.

Mag sein, dass es ein paar Anläufe benötigt, bis das Brot so wird, wie man es sich vorgestellt hat, aber vielleicht können euch ein paar meiner Tipps dabei helfen, dass ihr schneller zum Ziel gelangt. Es gibt sowohl sehr raffinierte Rezepte wie das "Wolken-Brot" als auch sehr flotte wie das "Fünf-Minuten-Brot" (Anleitungen folgen).  

🌾🌾🌾

Aber zuerst will ich euch erzählen, wie wir Rostrosen zum Brotbacken kamen: Mein Mann und ich besuchten im Februar dieses Jahres einen Volkshochschulkurs mit dem Titel "Brot backen für Anfänger". Zu diesem Zeitpunkt war noch keine Rede von einem möglichen Corona-Ausbruch, aber wir fanden es immer schon interessant und wichtig, uns im Falle eines Falles auch selber versorgen zu können. Außerdem wollten wir gern Näheres zum Umgang mit Sauerteig wissen. Dass man Brot ohne großartige Hilfsmittel im eigenen Backrohr herstellen kann, war uns noch relativ neu. Ich hatte zwar schon in einigen Blogs darüber gelesen, aber ohne direkte Anleitung durch eine Person, die sich damit auskennt, hätte ich mich vermutlich nicht drüber getraut.

Marta, unsere Brotback-Lehrerin, war dafür genau die Richtige: Eine sehr patente Frau aus einem der ehemaligen Ostblockländer, die das, was sie uns beibrachte, auch ausstrahlte: Habt keine Scheu! Einfach probieren! Der Teig beißt euch nicht und es kann auch nicht viel schief gehen. 


Sie brachte uns (einer Gruppe von acht TeilnehmerInnen) in einer Hauptschulküche innerhalb eines Nachmittags und Abends bei, wie man Brot und Kleingebäck mit Hefe, aber auch mit Sauerteig herstellt, und zwar in unterschiedlichsten Versionen - wir buken ein Brot in einem großen Emailletopf, manche Laibe wurden einfach so in den Ofen geschoben, andere in kastigen Brotbackformen, manche wurden mithilfe von zurechtgebogenem Backpapier in Form gebracht. Wir buken Weißbrot und Roggenvollkornbrot, wir würzten es mit Salz oder mit einem von Marta gemischten Brotgewürz, wir fügten manchen unserer Laibe Nüsse oder Kürbis- und Sonnenblumenkerne bei. Natürlich verkosteten wir unser frisch gebackenes, duftendes Brot auch - mit Butter und Kräuteraufstrichen, die Marta mitgebracht hatte. Unser Brot war köstlich! Wir entwickelten dabei genau das, was man zum Brotbacken braucht: Das Selbstvertrauen, dass es gelingen wird. Und dass man nicht unbedingt alles so machen muss, wie es Marta uns beigebracht hat, sondern dass wir zu Hause selber zu experimentieren beginnen sollen. 

Genau das taten und tun wir seither. Sowohl mein Mann als auch ich sind richtig begeistert vom Brotbacken. Marta gab uns Sauerteig mit, den wir regelmäßig "füttern", im Kühlschrank aufbewahren und immer wieder verwenden. Falls ihr nicht wisst, wie man an Sauerteig kommt, gibt es im Internet Rezepte zur Selbstherstellung. Wir haben viele, viele Brote mit Sauerteig und mit Hefe gebacken seit dem letzten Frühjahr und auch ein paar Semmeln. Einige unserer "Werke" seht ihr hier als Fotos eingestreut. Manche der Brote sind uns besser gelungen, andere waren eher "Lehrmeister" im Sinne von "beim nächsten Mal sollten wir das so und so anders machen". Wegwerfen mussten wir kein einziges, sie waren allesamt gut genießbar - und manche waren sogar sensationell gut. Stolz waren wir auf alle!

Im Lauf der Zeit haben wir uns ein bisschen "Equipment" zugelegt: Einen Emailletopf (und es muss keineswegs der teure französische sein, den eine unserer Backkurs-Mitschülerinnen unbedingt wollte. Unserer stammt von einer österreichischen Firma - man sollte ja die heimische Wirtschaft auch ein bisserl fördern, vor allem in Zeiten wie diesen), einen Brotbackkorb (der eigentlich gar nicht zum Backen da ist, weil er diese Hitze nicht ertrüge, sondern nur, um das Brot während des Aufgehens in eine schöne Form zu bringen) und einen Backstein (genauer gesagt, einen Pizzastein um 16 Euro aus dem Baumarkt). 

Die letztgenannte Anschaffung war vermutlich die sinnvollste, weil sie dafür sorgt, die Backtemperatur im Rohr zu erhöhen, was vor allem der Krustenbildung des Brotes gut tut. Es gibt auch teurere Modelle aus dickerem Stein, die die Hitze stärker erhöhen sowie länger und besser halten, und wahre Brotprofis schwören darauf, aber wir sind mit unserem günstigen Modell sehr zufrieden. Zuweilen gibt es beim Hofer / Aldi auch Backsteine um nur rund 10 Euro - die Investition lohnt sich, wenn ihr Pizza oder Brot selber backt. Aber wie gesagt, wir haben ganz ohne Backstein begonnen, unsere Lehrerin verwendet daheim auch keinen - notwendig ist er also keineswegs!

Kommen wir zum Rezeptteil. Wie oben schon erwähnt, muss man sich nicht sklavisch daran halten. Brot zu backen ist ein kreativer Prozess, bei dem man durchaus auch experimentieren darf / kann / soll. (Bei besonders gewagten Experimenten wär's halt gut, auch ein eventuelles Scheitern mit einzukalkulieren 😉). 

Wir haben anstelle von Wasser z.B. schon Bier, Apfelsaft und Cidre genommen, wir haben die unterschiedlichsten Mehlsorten verwendet und auch ein Brotrezept mit einem Hefezopf-Rezept "gemixt", wir haben manchen Broten z.B. Walnussöl, Oliven- oder Arganöl beigefügt etc. Aber das Grundprinzip lautet: Für ein gutes Brot brauchen wir nur Mehl, Wasser, Sauerteig bzw. Hefe und Salz, der Rest ist variabel. Ich schreibe euch die Rezepte so auf, wie sie bei uns gut gelungen sind.

🌾🌾🌾

Wenn ihr ein gutes, schnelles Brot backen wollt und keine Zeit fürs Anfüttern eines Sauerteigs oder für einen Hefevorteig habt, bietet sich das folgende Rezept an, denn hier geht der Teig im Backrohr auf:

5-Minuten-Brot
250 g Weizenvollkornmehl
250 g Dinkelvollkornmehl
1-2 TL Salz
1 Würfel Germ (Hefe) oder 1 Packung Trockenhefe
120 g Nüsse (bzw. Sonnenblumen- und Kürbiskerne, Haferflocken, Leinsaat etc.)
Zusätzliche Kerne, Samen, Flocken zum Bestreuen
2 EL Apfelessig
450 ml lauwarmes Wasser
Fett für die Form
 
Die ersten drei Arbeitsschritte dauern nur fünf Minuten, daher der Name:
  • Eine Kastenform mit Öl oder Butter ausfetten, eventuell auch noch mit Kernen ausstreuen.
  • Hefe mit Wasser vermischen, alle anderen Zutaten dazugeben, kräftig verrühren und den Teig in die Backform füllen.
  • Mit Wasser bepinseln und mit Kernen oder Haferflocken bestreuen.
  • Die Form ins kalte Backrohr stellen und ca. eine Stunde bei 200 Grad C bei Ober-Unterhitze backen.
  • Nach der Backzeit das Brot aus der Form stürzen und auf einem Backgitter auskühlen lassen.

 

Das folgende Brot wurde von Marta "Weissbrot ohne viel Arbeit" genannt - oder auch

„Kühlschrankbrot“

400 g weißes Mehl (Typ W700)
1 TL Salz
1 Packung (7 g) Trockenhefe 
250 bis 300 ml kaltes Wasser
Olivenöl zum Ausfetten
  • Alle Zutaten in einer Schüssel gut verkneten – Wasser nach und nach hinzufügen. Wenn der Teig eine Konsistenz hat, die nicht mehr allzu sehr an den Fingern kleben bleibt, etwas Mehl auf die Arbeitsfläche streuen und dort noch ein paar Minuten weiterkneten, bis der Teig zu einer schönen Kugel geformt werden kann. (Zur Not etwas mehr Mehl hinzufügen.) 
  • Die Kugel mit Mehl bestreuen, etwas flachdrücken und in eine Schüssel legen. Ein Geschirrtuch darüber breiten und in den Kühlschrank stellen. Dort 12 bis 24 Stunden ruhen lassen. 
  • Ein backrohrgeeignetes Gefäß mit Deckel (z.B. Emaille-Kochtopf) in leerem Zustand ins kalte  Backrohr stellen und den Ofen auf 240 Grad vorheizen. Dann den heißen Kochtopf aus dem Rohr nehmen, mit Öl einfetten, die flachgedrückte Teigkugel vorsichtig in den heißen, eingeölten Topf legen, Deckel drauf und in den Ofen stellen. 
  • Zunächst 10 Minuten bei 240 Grad mit geschlossenem Decken backen. 
  • Dann Deckel vom Topf nehmen und die Temperatur auf 180 Grad reduzieren. Weitere 30 bis 40 Minuten fertig backen. Das Brot aus dem Topf nehmen und auf dem Grillrost des Ofens ausdampfen lassen. Wenn man das Brot mit etwas Wasser einpinselt, wird es knuspriger. Geschirrtuch darüber breiten und auskühlen lassen.


Das dritte und letzte Rezept ist eine "Eigenkreation" bzw. ein Mix zwischen einem Brotrezept und einem Hefezopfrezept. Es benötigt etwas mehr Zeit als die oberen beiden. Die Brote nach diesem Rezept wurden bei uns besonders fluffig, deshalb heißt es

Wolkenbrot
Vorteig:
5 EL (ca. 65 g) Mehl
75 g zimmerwarmes Mineralwasser
0,065 g frische Germ (Hefe), das ist in etwa ein kleines "Reiskorn" (ich habe nicht abgewogen)
ev. 1 TL Zucker

Teig:
Vorteig
400 g Weizenmehl 
1 EL Salz 
2 EL Brotgewürz 
15 g frische Germ / Hefe
2-4 EL Sauerteig (kann man auch weglassen, ist aber gut für die Fluffigkeit und Haltbarkeit des Brotes)
150 g zimmerwarmes Mineralwasser (normales Wasser geht auch, aber der Teig wird mit Mineralwasser luftiger)
4-6 EL Öl

  • Die Zutaten für den Vorteig am Vorabend zusammenrühren und zugedeckt bei Zimmertemperatur über Nacht bzw. rd. 12 Stunden stehen lassen. Danach sollte der Teig dann ungefähr die Konsistenz von gerührtem Rahm (Schmand) haben. 
  • Am nächsten Tag den "Hauptteig" zubereiten: Alle Zutaten mit der Küchenmaschine / dem Mixer verkneten. Der Teig sollte nicht zu fest sein – eventuell noch etwas Wasser dazu rühren. (Manchmal gehört auch noch etwas Mehl hinzugefügt - das ist immer eine Gefühlssache: Der Teig soll weich sein, damit das Brot luftiger wird, aber zugleich soll sich der Teig leicht von der Rührsschüssel lösen, sonst ist er zu matschig. Ist also - wie immer - eine Experimentiersache). 
  • Den Teig zugedeckt gut aufgehen lassen (entweder in einer Tupperware-Germteigschüssel oder einer anderen Schüssel mit einem Küchentuch darüber.) Dann eventuell händisch oder mit der Maschine noch einmal gut durchkneten. 
  • Anschließend den Teig entweder in eine ausgefettete Kastenform oder einen Emailletopf füllen (oder einen Laib formen und es auf ein befettetes oder mit Backpapier belegtes Backblech geben). Den Teig noch eine Stunde mit einem Küchentuch zugedeckt gehen lassen; danach ab ins (auf 240 Grad) vorgeheizte Rohr. 
  • Im Rohr zuerst 10 Minuten bei 240 Grad backen, dann die Hitze auf 180 Grad reduzieren und noch ungefähr 35 Minuten weiterbacken. Das Brot aus dem Topf nehmen und auf dem Grillrost des Ofens ausdampfen lassen. Wenn man das Brot mit etwas Wasser einpinselt, wird es knuspriger. Geschirrtuch darüber breiten und auskühlen lassen.
🌾🌾🌾

Bisher haben wir noch kein "pures" Sauerteigbrot ausprobiert, aber wir werden uns demnächst über einen Versuch stürzen. Im Internet gibt es jedenfalls einige Rezepte dazu. Dieses hier hat mir besonders gut gefallen.
 
Wie sieht's bei euch aus? Habt ihr schon im Backrohr Brot gebacken, und wenn ja, wie sind eure Erfahrungen damit? Verwendet ihr einen Backstein oder andere "Hilfsmittel"? Erzeugt ihr Dampf im Rohr mithilfe einer Wasserschale oder verzichtet ihr darauf? Tipps und Anregungen werden gerne genommen. Auch wenn ihr Fragen habt, könnt ihr die gerne im Kommentarteil stellen und ich werde mich bemühen, sie nach bestem Wissen und Gewissen zu beantworten.
 
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Herzliche Grüße, 
eure Traude vom Blog Rostrose